19.06.2026
Schätze in der Nachbarschaft
Gleich zweimal war die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, Dr. Petra Loibl, im Juni 2026 in Baden-Württemberg zu Gast. Zunächst ging es am 8. Juni 2026 ins badische Freiburg im Breisgau, zum „Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europa“ (IKDE), ehe eine Woche später, am 15. Juni 2026, ein Besuch im „Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde“ (IdGL) in der württembergischen Universitätsstadt Tübingen anstand. Die Beauftragte zeigte sich nach Gesprächen mit den Institutsleitungen und Führungen durch die Häuser tief beeindruckt von den Leistungen, die das IdGL und das IKDE sowohl in den Bereichen Wissenschaft und Forschung als auch für die Bewahrung kulturellen Erbes und dessen Vermittlung in breite Bevölkerungskreise erbringen.
„Oft liegt das Gute so nah“. So resümierte Dr. Petra Loibl, MdL, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, ihre jüngsten Reisen in Bayerns westlichstes Nachbarland Baden-Württemberg: „Im Bereich der Vertriebenenpolitik, die ja heutzutage vor allem auch Europa- und Nachbarschaftspolitik ist, und der Pflege des Kulturerbes der Deutschen im östlichen Europa, haben wir eine wirklich starke Südschiene. Davon habe ich mich in Freiburg und Tübingen, diesen altehrwürdigen süddeutschen Hochschulstädten, überzeugen können. Was hier geleistet wird, verdient höchste Anerkennung und setzt Maßstäbe“. Für die Beauftragte waren es nach ihrer Rede beim Heimattag der Banater Schwaben 2024 und ihren Besuchen des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm und des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck e.V.“ in Gundelsheim weitere Begegnungen in Baden-Württemberg, neben dem Freistaat einem der Hauptaufnahmeländer nicht nur für die Heimatvertriebenen, sondern auch für sehr viele Aussiedler und Spätaussiedler aus dem südöstlichen Europa, den Ländern des Donauraums.
Die erste der beiden Fahrten in den Südwesten führte Dr. Petra Loibl nach Freiburg ins Institut für Kulturanalyse der Deutschen des östlichen Europas (IKDE), wo sie von Institutsdirektor Prof. Dr. Markus Tauschek, seinem Stellvertreter Dr. Tilman Kasten und ihrem Team empfangen wurde. Das IKDE widmet sich in seiner Arbeit der Dokumentation, Analyse und Vermittlung der Kultur und Traditionen der Deutschen in all den Regionen, in denen sie in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa vor der Vertreibung und späteren Aussiedlungen heimisch waren – und vereinzelt auch noch immer sind. Die Forschungsschwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Erinnerungskultur, Migration und Integration, Biographieforschung, interethnische und interkulturelle Beziehungen und letztlich auch der Wissenschaftsgeschichte der früher so genannten „Volkskunde der Heimatvertriebenen“. Beim Rundgang durch das Institut zeigte sich die Beauftragte vor allem von der einzigartigen Sammlung an Ton- und Bilddokumenten, aber auch von der Bibliothek und dem Archiv des Hauses beeindruckt. „Im IKDE findet sich eine wahre Schatztruhe“ so Dr. Loibl.
Nur eine Woche später führte ihre Entdeckungsreise durch die Wissenschaftslandschaft Baden-Württembergs die Beauftragte nach Tübingen ins Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IdGL) zu einem Meinungsaustausch mit Institutsdirektor Prof. Dr. Reinhard Johler und seiner Stellvertreterin PD Dr. Daniela Simon. Wie schon im Namen erkennbar, konzentriert sich das Tübinger Institut auf die Siedlungsgebiete der Deutschen in Ungarn, Serbien, Kroatien und Rumänien und deren Geschichte, Kultur und Landeskunde sowie die dort gesprochenen deutschen Mundarten. Das Forschungsspektrum reicht dabei von der Besiedlungsgeschichte über die deutsche Literatur des Donauraums und donauschwäbische Siedlungen in Nord- und Südamerika bis zum Schicksal der Flüchtlinge und Vertriebenen während und nach dem Krieg. Wie das IKDE, verfügt auch das IdGL über eine herausragende Sammlung und gibt zahlreiche wissenschaftliche Publikationen heraus.
Beide Einrichtungen zeichnen sich zudem durch ihr Engagement in der Lehre aus, und dadurch, zahlreiche Studierende nicht nur aus Deutschland, sondern vor allem aus den Ländern des östlichen Europas anzuziehen. „Damit tragen sie“, so die Beauftragte, „zum gegenseitigen Verständnis und nachhaltigen Integration in Europa bei“. Auf jeden Fall empfiehlt Dr. Loibl jeden an der Kultur und Geschichte des östlichen Europas und der Thematik von Flucht und Vertreibung Interessierten einen Ausflug nach Tübingen und Freiburg. „Das lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn wir im Freistaat mit dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS), dem Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS), dem Collegium Carolinum und dem Bukowina-Institut über vier hervorragende Forschungseinrichtungen verfügen. Gemeinsam mit dem IKDE in Freiburg und dem IdGL in Tübingen bilden sie einen Exzellenzcluster im Süden Deutschlands, der europaweit seinesgleichen sucht“, so die Beauftragte nach ihrer Rückkehr nach Bayern.
